Deutscher Lizenznehmer Straub nicht zu retten -
Branche steckt im Schrumpfprozess.
Im deutschen Autovermietmarkt zeichnet sich einer der größten Umbrüche der vergangenen Jahre ab. Das Familienunternehmen Robert Straub, Nummer fünf der Branche und Lizenznehmer der Marke Budget, ist nicht mehr zu retten. Der Geschäftsbetrieb mit zuletzt 600 Beschäftigten und gut 100 Stationen wird zum 31.August stillgelegt. Fahrzeuge können weiterhin an den Budget-Stationen zurückgegeben werden, werden aber nicht mehr neu vermietet. Dies teilte jetzt der Straub-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mit.
Mit dem Scheitern von Straub als Budget-Lizenznehmer verschwindet ein weiterer Anbieter aus der deutschen Vermietbranche. Seit Jahren schrumpft die Zahl der Marktteilnehmer. Im Jahr 2000 gab es noch knapp 800, im vergangenen Jahr waren es nur noch 540. Straubs Ende soll aber nicht das Ende für die US-Vermietmarke Budget in Deutschland sein. „Wir suchen nach einem neuen unabhängigen Investor als Lizenznehmer von Budget “, sagte eine Konzernsprecherin auf Anfrage am Donnerstag.
Branchenkenner halten es für wenig wahrscheinlich, dass ein anderer großer Autovermieter neuer Lizenznehmer wird. Letztlich könnte es auch in Deutsch-land zu einem Modell kommen, das bereits weltweit in den meisten Ländern praktiziert wird: Die beiden Autovermietungen Avis und Budget treten unter einem Dach mit einer Zweimarkenstrategie auf. Rechtlich gehören sie seit 2003 über ihre Muttergesellschaft ohnehin zusammen. Der US-Konzern firmiert als Avis Budget, tritt auf verschiedenen Kontinenten aber mit verschiedenen Strategien auf. So wird in Europa die Budget-Lizenz von Zo-diac Europe, einer Tochter von Avis Europe, vermarktet. Die Zweimarkenstra-tegie praktiziert der Konzern hier beispielsweise seit Juli in Österreich. Dass Avis nun die Budget-Lizenz ausgerechnet im größten europäischen Autover-mietmarkt an einen Hauptwettbewerber abgibt, halten Experten für sehr unwahrscheinlich. Tatsächlich gibt es bereits erste Anzeichen dafür, dass Avis und Budget auch in Deutschland enger zusammenrücken.
Damit internationale Budget-Kunden in Deutschland nicht ohne das Auto dastehen, das sie daheim gebucht haben, springen an den Flughäfen 15 Avis-Stationen mit ihren eigenen Fahrzeugen ein, erklärte die Budget-Sprecherin.
Der Unternehmer Robert Straub hatte im Herbst 2007 die Budget-Lizenz erworben – mit großen Plänen: Mittelfristig wollte er zur Nummer drei in Deutschland nach Sixt und Europcar aufsteigen. Anfang Mai musste sein Familienunternehmen Insolvenz anmelden, weil die Wirtschaftskrise zu massiven Umsatzeinbrüchen geführt hatte. Wie schwierig die wirtschaftliche Situation für Avis Budget in Europa ist, wurde am Donnerstag deutlich: Der Umsatz fiel im ersten Halbjahr um 14 Prozent auf 533 Mio. € – der Verlust stieg auf 25,8 Mio. € nach 2,7 Mio. € im Vorjahr.
Zunächst hatte es danach ausgesehen, als ob Robert Straub mit anderen Geldgebern ein Neuanfang gelingen könnte. Als großer Hemmschuh bei der Investorensuche erwiesen sich aber jetzt die Lizenzzahlungen. „Keiner der großen Wettbewerber wie Sixt, Europcar oder Hertz muss Lizenzgebühren bezahlen“, sagte Insolvenzverwalter Geiwitz am Donnerstag auf Anfrage. Allein im August sei bei Straub ein Verlust von rund 700.000 € entstanden.
Die Stilllegung sei unvermeidlich gewesen, um die Gläubiger nichtnachhaltig durch Verluste zu belasten, die bei einer Fortführung des Geschäftsbetriebs entstanden wären. Man habe fast 60 potenzielle Investoren für eine Fort-führung von Budget-Straub angesprochen und zum Teil auch umfangreiche Verhandlungen geführt, sagte Geiwitz. Doch niemand sei bereit gewesen, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.
(Quelle: FTD)